ChroniCare Newsletter 6. Ausgabe

ChroniCare Newsletter 6. Ausgabe

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Liebe Leserinnen und Leser,

in der 6. Ausgabe der ChroniNews berichten wir über aktuelle Kurznachrichten aus Wissenschaft und Forschung.  

Die Corona Pandemie hat die Welt dieses Jahr voll im Griff. Daher berichten wir wie es bei einer HIV/SARS-CoV-2 Konifektion aussieht.

Wirberichten für Sie von einer erneuten HIV Heilung auf Grund einer Genmutation.

Die weiteren Themen dieser Ausgabe: Der Berliner Patient ist verstorben; Neues zur Entwicklung der Festbetragsänderung von Descovy; Neue Antikörpertherapie bei einer multiresistenten HIV Infektion; Vesatolimod als CD4-Zell induzierender Wirkstoff.

Wir möchten Sie auf die Möglichkeit einer Vitamin D Messung in der Birken-Apotheke aufmerksam machen. Falls Sie Interesse daran haben ihren Vitamin D Status durch einen Selbsttest günstig zu bestimmen, sprechen Sie uns gerne darauf an.

Zusätzlich möchten wir Sie jetzt schon auf die BIA-Messung durch die Praxis für Ernährungstherapie - Meinhold & Team - hinweisen, die am 14.01.2021 stattfinden wird.

Zu guter Letzt möchten wir Sie noch auf die Termine der Kölner Aidshilfe, sowie auf das Angebot der Individualverblisterung Ihrer Medikamente und einer professionellen ATHINA-Medikationsanalyse durch die Birken-Apotheke hinweisen. Beachten Sie auch die Verfügbarkeit der ChroniCare® Fragebögen für dieses Jahr.



Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Ihr ChroniNews-Team der








Beeinflusst eine antiretrovirale Therapie (ART) den Verlauf einer COVID-19 Infektion?

Durch die Schwächung des Immunsystems bedingt durch das HI-Virus kann es zu einigen Koinfektionen kommen, welche oftmals durch Bakterien, Pilze oder aber auch durch Viren verursacht werden können. Daher stellt sich in diesem Zuge die Frage, ob es eine Beeinflussung durch eine gleichzeitige Infektion mit dem HI-Virus und mit dem SARS-CoV-2 gibt oder ob eine HIV-bedingte antiretrovirale Therapie eine mögliche Auswirkung auf den Verlauf von einer COVID-19-Erkrankung haben könnte. Mit diesem Hintergrund wurden einige Fallstudien zu HIV/AIDS/COVID-19 publiziert. Es konnte außerdem festgestellt werden, dass durch den SARS-CoV-2-bedingten Lockdown weniger HIV-Suchtests durchgeführt wurden und einige HIV-Patienten nur eingeschränkten Zugang zu ihren Medikamenten hatten.

Einige der oben genannten Studien postulieren, dass „eine HIV/SARS-CoV-2-
Infektion in circa 2/3 der Fälle mit einem milden bis moderaten COVID-19-Verlauf einherzugehen scheint“.

Diese Aussagen sollten mit Vorsicht betrachtet werden, da obwohl diese Studien einen Vorteil durch bestimmte ART-Kombinationen postulieren, spätere Studien dies nicht bestätigen konnten. Ein Beispiel hierfür ist eine Studie mit Lopinavir/Ritonavir: hier konnte sowohl in vitro als auch in vivo kein antiviraler Effekt auf den Verlauf von COVID-19 festgestellt werden.

Zudem wurde auch die Behauptung aufgestellt, dass durch die HIV-bedingte Lymphopenie, welche durch eine Erniedrigung der Lymphozyten im Blut zu einer erniedrigten Abwehr von Infektionserregern und eine folglich ausbleibende überschießende Immunreaktion führt, einen positiven Effekt auf den COVID-19-Verlauf haben könnte. Auch dies konnte generell nicht bestätigt werden. Es wird sogar vom gegenteiligen Effekt ausgegangen, da durch die erniedrigte CD4-T-Zellzahlen eher schwerere Verläufe auftreten können.

Abschließend kann gesagt werden, dass durch eine noch unzureichende Datenlage und fehlende Daten aus dem HIV-Pandemie-Zentrum der Subsahara Afrika, bisher noch keine entgültigen Aussagen getroffen werden können.

Quelle: „SARS-CoV-2/COVID-19 trifft HIV7AIDS – Fallstudien und was wir bisher wissen“, Mona Alinezhad (ma)

 

 




Erfolge mit Vesatolimod

Vesatolimod ist ein neuer Toll-like Rezeptor Agonist, der das Immunsystem stimuliert. Mit seiner Wirkung erhöht er die Anzahl der CD4+ T-Zellen und hilft somit dem Immunsystem gegen das HI-Virus anzukämpfen.

Er wurde bisher in einer Tierstudie getestet und hat dabei sehr gute Erfolge erzielt. In dieser Studie wurde Vesatolimod (p.o.) zusammen mit einem Breitneutralisierendem Anti-HIV-Antikörper (i.v.) verabreicht. Die Ergebnisse zeigten, dass durch die Kombination mit Vesatolimod ein viraler Rückfall nach Absetzen der Therapie verzögert oder in manchen Fällen sogar ganz verhindert wurde.

Daraufhin wurde schon eine humane 1b-Studie durchgeführt, in welcher die Erfolge aus der vorrangegangenen Tier Studie wieder zu sehen waren. Vesatolimod wurde oral gegeben und aktivierte das Immunsystem ohne die Viruslast zu erhöhen. Bei einer erhöhten Dosis von 6mg kam es auch zu einem vermehrten Anstieg der Interferone. Allgemein kam es nicht zu starken Unverträglichkeiten. Zu den beobachteten Nebenwirkungen zählten Lymphknotenschwellung, Kopfschmerzen und Schüttelfrost. Die breit neutralisierenden Antikörper, die gleichzeitig gegeben wurden hatten einen größeren Einfluss auf die Viruslast, dadurch kam es aber auch zu mehr Nebenwirkungen wie zum Beispiel zu lokalen Entzündungen und mildem Fieber.

Von den 25 Probanden, die an der Studie teilgenommen haben, konnte bei 4 Personen auch nach 6 Wochen kein Viruslastanstieg verzeichnet werden. Bei einem Probanden blieb die Viruslast auch nach 31 Wochen noch unter 61 Kopien/ml. 4 Probanden hatten nach 48 Wochen bei Abschluss der Studie eine Viruslast zwischen 164 und 215 Kopien/ml.

Weitere Untersuchenungen zu Vesatolimod und anderen Wirkstoffen wie z.B.  CD8-induzierende Impfstoffe oder breit-neutralisierende Antikörper sind unbedingt notwendig, damit wir mehr über die Interaktionen und auch Kombinationsarten von Vesatolimod erfahren und eine wirkungsvolle Therapie für HIV erkrankte Personen zusammenstellen können.

Quelle: hivandmore- „PGT121 and Vesatolimod in chronically treated SHIV-Infected rhesus monkeys (jk)







Ibalizumab als neue Therapiemöglichkeit bei HIV

Ibalizumab (Marktname Trogarzo®, Theratechologies Europe) ist seit Anfang
September erstmals als HIV-Antikörper auf dem deutschen Markt erhältlich. In den USA wird der Antikörper schon länger in der HIV-Therapie angewendet. Ibalizumab wird in Kombination mit anderen HIV-Medikamenten bei Erwachsenen mit multiresistenter HIV-Infektion eingesetzt, welche bisher nur schwer behandelt werden konnten.  Der gegen den CD4-Rezeptor gerichtete Antikörper bindet an die mit T-Helfer Zellen und verhindert, dass die HI-Viren in die Zellen eindringen und sich dort vermehren können, sodass eine Ausbreitung der Infektion verlangsamt wird. Ibalizumab wird als Infusion verabreicht. Zu Beginn der Behandlung erhält der Patient eine Infusion von 2000mg, daraufhin dann 800mg alle zwei Wochen.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Ausschlag, Durchfall, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen. Schwangere sollten den Antikörper nicht erhalten. Auch in der Stillzeit wird aufgrund der HIV-Übertragungsgefahr auf den Säugling das Stillen grundsätzlich nicht empfohlen. Bei Frauen die im gebärfähigen Alter sind, sollte eine wirksame Verhütungsmethode angewendet werden.

Quelle:  PZ, Ausgabe 37 2020 (al)

 

 




Ebstein-Barr-Virus assoziierte Tumore  

Das Ebstein-Barr-Virus (EBV) zählt zu den Onkoviren, welche als Auslöser von Tumoren und als Verursacher der Kusskrankheit, bekannt sind. Sie werden hauptsächlich über den Speichel übertragen und besitzen die Eigenschaft sowohl Lymphome, Karzinome als auch Sarkome auszulösen. So sind die EB-Viren in der Lage z.B. Hodgkin-Lymphome, Posttransplatationslymphome (PTLD), Magenkarzinome oder Nasopahryngeale Tumore zu verursachen. Die Immunsupression stellt einen starken Risikofaktor für die mit EBV verbundenen B-Zelllymphome dar.  Besonders PTLD treten oft mit Immunsuppressiva behandelten Patienten oder HIV-Positiven auf. Hierbei führt ein Absetzen der Immunsupression in 30% der Fälle zur Rückbildung der PTLD und mehr als 50% können mit autologen EBV-spezifischen T-Zellen behandelt werden. Bislang existiert noch kein Impfstoff gegen EBV.

Quelle: DAZ Ebstein-Barr-Viren und die Gefährlichkeit der Kusskrankheit

 



Genmutation verantwortlich für erneute HIV-Spontanheilung

Ein erneuter Fall einer Spontanheilung in Frankreich führt zu der Hypothese, dass eine Mutation im Enzymsystem mit hoher Wahrscheinlichkeit als Ursache für eine HIV-Spontanheilung betrachtet werden kann.

Hierbei handelt es sich um das körpereigene APOBEC3G-Enzymsystem, welches für die Abwehr der Retroviren verantwortlich ist. Die Spontanheilung wird durch eine Mutation im viralen Erbmaterial durch das Enzymsystem hervorgerufen. Infolge dieser Mutation können die Viren bestimmte wichtige Proteine nicht mehr bilden, wodurch sie funktionsunfähig werden.

Die französische Patientin wurde zwischen 2002 und 2004 von ihrem Partner mit dem HI-Virus infiziert und 2006 als seropositiv diagnostiziert. Sie entwickelte nie eine Immunschwäche oder Symptome, die auf das HI-Virus schließen könnten.

Während bei dem Partner HIV-RNA im Plasma und in Co-Kulturen nachgewiesen werden konnte, konnte bei ihr, nur einzelne HIV-Fragmente im Serum, nicht nachgewiesen werden. Hierbei wurde entdeckt, dass diese viralen Fragmente typische Veränderungen besitzen, welche auf die Aktivität des APOBEC3G-Enzymsystems hinweisen. Es konnte festgestellt werden, dass die Konzentration an dem APOBEC3G-Enzymsystem bei ihr vielfach höher war, als bei ihrem Partner. Daher kann abgeleitet werden, dass durch die erhöhte Konzentration auch eine erhöhte Abwehr der Retroviren bei der Patientin vorhanden war, was als Hauptursache der Spontanheilung betrachtet werden kann.

Es wird davon ausgegangen, dass es sich hierbei um eine erworbene und nicht um eine angeborene HIV-Resistenz handelt. Die Zusammensetzung des Darmmikrobioms spielt hierbei eine große Rolle, da dieses für die Entstehung und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch für die Überaktivierung des APOBEC-Systems verantwortlich ist. Forscher und Forscherinnen versuchen dieses Phänomen weiter zu untersuchen um die Hypothese zu bestätigen

Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung S.33 „Erneute HIV-Spontanheilung 28.09.2020 (ma)

 

 



Berliner Patient tot

Der erste als geheilt geltende HIV-Infizierte, auch bekannt als „Berliner Patient“, ist tot. Dies teilte die Internationale Aids-Gesellschaft am 07. Oktober mit. Er starb im Alter von 54 Jahren in seinem Haus in Beverly Hills. Der Lebensgefährte von Timothy Ray Brown, Tim Hoeffgen, beschrieb in einem Interview der New York Times, dass er als ein Mann in Erinnerung bleiben möchte, der der ganzen Welt die Hoffnung geben möchte, dass HIV geheilt werden kann.

Der 1966 in Seattle geborene Brown, zog 1993 nach Berlin, wo er studierte und in einem Café als Übersetzer arbeitete. 1995 wurde bei ihm HIV diagnostiziert. Nachdem er 2006 an Leukämie erkrankte, war eine Stammzellspende nötig.

Ärzte an der Berliner Charité fanden einen Spender, dem der sogenannte CCR5-Rezeptor fehlte – ein Co-Rezeptor über den der HI-Virus die menschliche Zelle befällt. Den Tag der Stammzell-Transplantation bezeichnet Brown später als sein neues Geburtsdatum. Seit der Transplantation konnte der Virus bei ihm nicht mehr nachgewiesen werden. Nun kehrte die Leukämie aber zurück.

Unter seinem Pseudonym „Berliner Patient“ trat er auch nach seiner HIV-Heilung öffentlich auf. Er wollte nicht die einzige Person sein, die vom HI-Virus geheilt wurde.

2019 wurde von einem „Londoner Patienten“ berichtet der durch eine spezielle Stammzell-Transplantation ebenfalls geheilt worden war. Auch wenn die Fälle von Timothy und dem „Londoner Patienten“ keine im großen Stil realisierbaren Strategien aufzeigten, stellen sie doch entscheidende Momente bei der Suche nach einem Heilmittel für HIV dar, sagte Sharon Lewin vom Doherty-Institut im australischen Melbourne.

Die Geschichte von Brown macht Hoffnung, da sie zeigt, dass es eine Heilung für HIV geben könnte.

Quelle: www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2020/10/02/erster-als-geheilt-geltender-hiv-patient-ist-tot(jk)

 

 




Optimieren Sie Ihre Ernährung und Ihren Körper

Wir checken mit Ihnen zusammen Ihre Nährstoffversorgung, analysieren die Körperzusammensetzung und geben Tipps für die Stärkung des Immunsystems.

Im Verlauf einer HIV-Infektion ist die Versorgung des Körpers mit allen lebensnotwendigen Nährstoffen besonders wichtig. Eine gesunde Ernährung:

- stärkt Ihr Immunsystem
- trägt zum Erhalt bzw. Aufbau der Muskelmasse (aktive Körperzellmasse) bei
- schützt Sie vor Lebensmittelinfektionen
- unterstützt Sie in Erholungsphasen
- erhält bzw. steigert Wohlbefinden und Lebensqualität

In einer persönlichen Ernährungsberatung haben Sie die Möglichkeit, Ihre Ernährung zu optimieren. Wir ...

- zeigen Ihnen, wie eine gesunde und ausgewogene Ernährung aussehen kann
- unterstützen Sie beim Zu- oder Abnehmen
- geben Tipps zur Vermeidung von Nebenwirkungen aufgrund von Medikamenten oder Therapie (z. B. Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle)
- helfen bei der Durchführung spezieller Diätformen (z. B. laktosefreie, fruktosearme, vegane oder vegetarische Ernährung; bei Fettstoffwechselstörungen oder Diabetes mellitus)
- beraten Sie beim Einsatz von Vitamin- und Mineralstoffpräparaten

Im Verlauf der HIV-Infektion können zudem Veränderungen in der Fett- und Muskelmasse auftreten, die nicht immer auf der Waage ersichtlich sind. Mit Hilfe der Bioelektrischen Impedanzanalyse (BIA-Messung) können wir diese Veränderungen sichtbar machen und Ihren Ernährungszustand bestimmen. Gemessen werden hier stoffwechselaktive Zellen, Muskelmasse, Körperwasser, Fettdepots und vieles mehr.

Insbesondere bei Einnahme der antiretroviralen Medikamente, einer Gewichtsabnahme oder Gewichtszunahme lassen sich die Veränderungen in Ihrem Körper mit der BIA besser nachvollziehen. Durch gezielte Ernährung und Bewegung können Sie diese Körperzusammensetzung positiv beeinflussen.

Neugierig geworden? Dann vereinbaren Sie doch einfach einen kostenlosen Termin zum Ernährungscheck (ca. 40 min.) oder zur BIA-Messung (ca. 20 min.) direkt in der Birken-Apotheke, Tel: 0221 - 240 22 42.

Nächster Aktionstag: 14. Januar 2021

Darüber hinaus bezuschussen viele gesetzliche Krankenkassen die ernährungstherapeutische Beratung, wenn Sie eine ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung vorlegen können. Formulare gibt es hier: http://bit.ly/aerztliche-bescheinigung und unter http://bit.ly/KK-Antrag.







Mögliche Mehrkosten für Descovy®

Wie bereits in der 5. Ausgabe der Chroninews berichtet hat der gemeinsame Bundesausschuss keinen Zusatznutzen für Descovy® feststellen können. Somit ist Descovy® in dieselbe Festbetragsgruppe gefallen wie die Generika von Truvada® und Kivexa®. Dies hätte für gesetzlich Versicherte sehr hohe Mehrkosten zur Folge, da der Hersteller den Preis nicht anpassen wollte.

Um das zu umgehen haben einige Krankenkassen versucht sich mit dem Hersteller in Form von Rabattverträgen zu einigen. Leider kam es nicht bei allen Krankenkassen zu einer Einigung. Bei Fragen stehen Ihnen das HIV-Team der Birken-Apotheke gerne zur Verfügung.


 

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