1994 wurde UNAIDS, das Programm der Vereinten Nationen zur weltweiten Bekämpfung von HIV und AIDS, ins Leben gerufen. Im gleichen Jahr entwickelte auch die EU erste Strategien zur Bekämpfung der Epidemie.
Laut UNAIDS lebten 2025 weltweit 40,9 Millionen Menschen mit HIV. Davon hatten 2025 bereits 78,5 % (32,1 Millionen) Zugang zu einer antiretroviralen Therapie. In den vergangenen fünfzehn Jahren ist die Zahl der AIDS-bedingten Todesfälle um 56 % auf 570.000 gesunken. Im gleichen Zeitraum sank auch die Zahl der Neuinfektionen um 43 % auf 1,2 Millionen. Diese Zahlen verdeutlichen die Wirksamkeit der bisherigen globalen Strategien zur Bekämpfung von HIV.
Allerdings sind diese Erfolge von aktuellen politischen Entwicklungen bedroht. Laut UNAIDS gingen die internationalen Entwicklungshilfen um 23 % zurück. Besondern schwer wiegt der Rückzug der US-amerikanischen Finanzierung seit Anfang 2025, da die USA bis dahin drei Viertel der internationalen HIV-Gelder bezahlte. Von diesen Kürzungen sind besonders einkommensschwache Länder betroffen. So wurden zum Beispiel in Haiti, Tansania und Sambia über 50 % der HIV-Medikamente von den USA bezahlt.
Die Folgen des Einfrierens der Mittel werden im PEPFAR (President’s Emergency Plan for AIDS Relief) Impact Tracker dokumentiert. Dort wurden Schätzungen veröffentlicht, wie viele Todesfälle Folge besagter Kürzungen sind. Für den Zeitraum vom 24.01.2025 bis zum 24.01.2026 werden die Kürzungen mit schätzungsweise 159.272 Todesfällen bei Erwachsenen und 16.954 Todesfällen bei Kindern in Verbindung gebracht. Bezogen auf die oben genannten 570.000 AIDS-assoziierten Todesfälle sind das etwa 30%. Der PEPFAR Impact Tracker weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass die Methodik für kurzfristige Schätzungen entwickelt wurde und sich nicht für Langzeitprognosen eignet. Deswegen wurde im Januar 2026 der Zähler eingestellt.
Trotzdem zeigen diese Zahlen, was Winnie Byanyima, die Exekutivdirektorin von UNAIDS, so treffend in Worte fasst: „We know how to end AIDS. The question is now political: will we invest, or will we retreat?“ (deutsch: „Wir wissen, wie man AIDS besiegen kann. Die Frage ist nun politischer Natur: Werden wir investieren oder werden wir uns zurückziehen?“).
Vor diesem Hintergrund befasste sich auch die jüngste UNAIDS-Tagung am 22. und 23. Juni mit den notwendigen politischen Entscheidungen.
Trotz der aktuellen Herausforderungen hält UNAIDS am Ziel fest, bis 2030 40 Millionen Menschen mit antiretroviralen Medikamenten zu behandeln und 20 Millionen Menschen Zugang zur PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe) zu ermöglichen. Insgesamt sollen somit 60 Millionen Menschen Zugang zu wirksamer HIV-Prävention und –Therapie erhalten und das ohne Stigmatisierung und Diskriminierung. Und als übergeordnetes Ziel: bis 2030 AIDS als Bedrohung der öffentlichen Gesundheit zu beenden und HIV als globale Gesundheitsbedrohung deutlich einzudämmen.
Dieses Ziel sei laut UNAIDS und der EU immer noch erreichbar. Vor allem gelte es Schlüsselpopulationen wie junge Mädchen und Frauen zu schützen. Auch sollten Koinfektionen mit Tuberkulose und Hepatitis stärker berücksichtigt werden, um so ganzheitliche Gesundheitsziele formulieren zu können. Diese beinhalten bessere Prävention, vereinfachter Zugang zu Testangeboten und finanzierbare, langwirksame Medikamente.
Aber vor allem wird die enge internationale Zusammenarbeit zwischen Regierungen in den Fokus gestellt. Ziel sei eine solidarische, innovative und effiziente internationale Zusammenarbeit. Dafür ist der Kampf für Menschenrechte unerlässlich. In 2025 haben Mali und Burkina Faso gleichgeschlechtliche Beziehungen kriminalisiert, und in 2026 Niger. Insgesamt gibt es weltweit aktuell 66 Länder mit Gesetzen gegen Homosexualität. Diese Diskriminierung erschwert den Zugang zu Präventions- und Behandlungsangeboten und erhöht gleichzeitig die Hemmschwelle, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dadurch kann die HIV-Epidemie sich weiter ausbreiten.
Wir befinden uns folglich an einem Wendepunkt. Werden die Globale AIDS-Strategien konsequent umgesetzt und die notwendigen finanziellen sowie politischen Zusagen eingehalten, kann AIDS bis 2030 besiegt werden. Bleiben diese Investitionen und politischen Maßnahmen jedoch aus, droht jahrzehntelang hart erkämpfen Fortschritt verloren zu gehen.
Quellen: UNAIDS schlägt Alarm: Fortschritte bei HIV stehen auf dem Spiel | Deutsche Aidshilfe 16.06.2026 https://www.aidshilfe.de/de/aktuelles/unaids-schlaegt-alarm-fortschritte-bei-hiv-stehen-auf-dem-spiel (Zugriff: 23.06.2026) Global HIV & AIDS statistics — Fact sheet | UNAIDS https://www.unaids.org/en/resources/fact-sheet (Zugriff: 23.06.2026) Global AIDS Strategy 2026-2031 | UNAIDS https://www.unaids.org/en/2026-2031-global-aids-strategy (Zugriff: 23.06.2026) A ‘perilous moment’ for the response to HIV warns UNAIDS | UNAIDS 12.06.2026 https://www.unaids.org/en/resources/presscentre/pressreleaseandstatementarchive/2026/june/20260612_PR_global_aids_brief (Zugriff: 23.06.2026) EU Statement – UN General Assembly: 2026 High-level meeting on HIV/AIDS | EEAS 22.6.2026 https://www.eeas.europa.eu/delegations/un-new-york/eu-statement-–-un-general-assembly-2026-high-level-meeting-hivaids_en (Zugriff: 23.06.2026) PEPFAR Impact Tracker https://pepfar.impactcounter.com/ (Zugriff: 23.06.2026) Globale HIV-Prävention beschädigt | magazin.hiv 5.03.2026 https://magazin.hiv/magazin/globale-hiv-praevention-beschaedigt/ (Zugriff: 23.06.2026) List of 66 countries where homosexuality is illegal https://76crimes.com/76-countries-where-homosexuality-is-illegal/ (Zugriff 26.06.2026)