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Cabotegravir: Der Wirkstoff in Apretude
In Deutschland nutzen rund 40.000 Menschen die orale PrEP (Prä-Expositionsprophylaxe) zum Schutz vor einer HIV-Infektion mit den Wirkstoffen Tenofovir-DF und Emtricitabin. Die PrEP wird entweder täglich oder anlassbezogen in Form einer Tablette eingenommen und seit 2019 von den gesetzlichen Krankenkassen für Menschen mit einem erhöhten HIV-Infektionsrisiko übernommen. Lange Zeit war dies die einzige Möglichkeit, sich medikamentös vor einer HIV-Infektion zu schützen. Seit 2023 ist mit Cabotegravir, das unter dem Handelsnamen Apretude von ViiV Healthcare vertrieben wird, ein weiterer Wirkstoff zur HIV-Prävention zugelassen und stellt einen wichtigen Schritt in der Weiterentwicklung der modernen PrEP dar.

Der große Vorteil dieses Medikaments liegt in seiner langen Wirkdauer. Als sogenannter „Long-Acting“-Wirkstoff wird Cabotegravir im Vergleich zur herkömmlichen PrEP langsamer abgebaut und kann dadurch über einen längeren Zeitraum im Körper verbleiben und seine Wirkung entfalten. Die Substanz wird dabei ambulant alle zwei Monate als intramuskuläre Injektion verabreicht. Klinische Studien zeigen zudem eine höhere Wirksamkeit von Apretude gegenüber der oralen PrEP zur Prävention einer HIV-Infektion. Dies ist unter anderem auf die verbesserte Therapietreue zurückzuführen, da die längeren Applikationsintervalle eine regelmäßige Anwendung erleichtern.

Apretude in Spanien: Kostenerstattung im Rahmen der UNAIDS-Verpflichtung
Spanien hat Anfang April 2026 als erstes EU-Land angekündigt, die Kosten für Cabotegravir im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung als Alternative zur herkömmlichen oralen PrEP zu übernehmen. Die Kostenübernahme richtet sich insbesondere an Personen, die die orale PrEP nicht vertragen oder sie aus anderen Gründen nicht anwenden können. Apretude soll somit das Spektrum der Präventionsmöglichkeiten erweitern und den Betroffenen eine zusätzliche Option für einen wirksamen HIV-Schutz bieten, ohne die orale PrEP vollständig zu ersetzen. Hintergrund dieser Entscheidung ist unter anderem die Verpflichtung im Rahmen der UNAIDS-Ziele, die Zahl der HIV-Neuinfektionen bis zum Jahr 2030 auf null zu senken.

Und in Deutschland?
Auch in Deutschland ist Cabotegravir zur HIV-Prävention zugelassen. Bislang werden die Behandlungskosten jedoch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Der Hauptgrund hierfür sind die deutlich höheren Kosten: Eine Einzeldosis Apretude kostet etwa 1.200 Euro. Daraus ergeben sich jährliche Therapiekosten von rund 7.000 Euro. Demgegenüber liegen die jährlichen Kosten der oralen PrEP mit Tenofovir/Emtricitabin bei etwa 400 bis 800 Euro und sind damit nahezu zehnmal geringer.

Angesichts dieses erheblichen Preisunterschieds sieht der GKV-Spitzenverband derzeit keine Möglichkeit, die Kosten für Apretude im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung zu übernehmen. Dennoch sollte berücksichtigt werden, dass – analog zur Entscheidung Spaniens und zur Einführung der Kostenübernahme der oralen PrEP im Jahr 2019 – eine gezielte und bedarfsgerechte Verteilung der Ressourcen im Gesundheitssystem ein wichtiger Baustein einer wirksamen Präventionsstrategie ist.

Quellen: PrEP injizierbar ist jetzt in Spanien erhältlich.  Apretude | European Medicines Agency (EMA)  https://magazin.hiv/magazin/hiv-prophylaxe-die-zukunft-von-prep-und-co/  https://www.aidshilfe.de/de/hiv-prep