Dank der modernen antiretroviralen Therapie hat sich HIV von einer akuten zu einer chronischen Erkrankung entwickelt, bei der infizierte Personen im Alltag kaum noch Einschränkungen erfahren und auch ihre Lebenserwartung nur minimal von der nicht-infizierten Bevölkerung abweicht. Dennoch sind Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, COPD und erhöhte Blutfettwerte bei HIV-positiven Patienten häufig auch diagnostiziert – insbesondere bei Personen, die bereits jahrelang mit dem Virus leben und medikamentös behandelt werden.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen als häufige Komorbidität
Verglichen mit der Prävalenz von Erkrankungen in der allgemeinen US-amerikanischen Bevölkerung, wie sie von dem Centers for Disease Control and Prevention (CDC) berichtet wird, wiesen Patienten mit einer HIV-Infektion eine deutlich höhere Prävalenz von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (40,3 % gegenüber 10,7 %), Bluthochdruck (36,8 % gegenüber 24,9 %) und Diabetes (12,3 % gegenüber 11,9 %) auf. Da diese Komorbiditäten wiederum eine medikamentöse Therapie erfordern, kann dies die Komplexität des Einnahme-Regimes erhöhen. Auch besteht die Gefahr, das Interaktionen zwischen den Wirkstoffen der antiretroviralen Therapie und der Behandlung der Begleiterkrankungen auftreten. Mehr dazu finden Sie in dem Artikel: Wechselwirkung in der HIV-Therapie.
2000HIV-Studie liefert Ansatz für eine Erklärung
Es ist somit schon lange bekannt, dass auch Patienten, die medikamentös gut eingestellt sind, ein erhöhtes Risiko für weitere Erkrankungen aufweisen. Eine neue Studie versucht nun, die Ursachen für dieses Phänomen zu erklären: Im Rahmen der 2000HIV-Studie wurden bei über 1.300 Menschen mit HIV sogenannte Multi-Omics-Datensätze analysiert. Bei dieser Art der Auswertung wird ein umfassendes Bild biologischer Funktionen gewonnen, was ein tieferes Verständnis bei der Ursachenforschung verschiedener Krankheiten ermöglicht.
Das Ziel der Studie lag darin, neue Auffälligkeiten bei bestimmten Stoffwechselfunktionen und der körpereigenen Immunantwort aufzudecken, die wiederum den Zusammenhang zwischen der HIV-Infektion und den bereits genannten Begleiterkrankungen erklären können. Somit wird hier zum ersten Mal durch eine ganzheitliche Betrachtungsweise das Fundament für die Untersuchung dieser Auffälligkeiten in nachfolgenden Forschungsprojekten gelegt und eröffnet die Möglichkeit, neue Therapieansätze zu entwickeln.
Quellen: https://www.helmholtz-hzi.de/media-center/newsroom/news-detailseite/begleiterkrankungen-bei-hiv-big-data-studie-bringt-molekulare-zusammenhaenge-ans-licht/ ; J. Botey-Bataller, N. van Unen et al.: Genetic and molecular landscape of comorbidities in people living with HIV. Nature Medicine, 2025 ; https://www.vorsorge-online.de/magazin/tipp-der-woche/details/hiv-begleiterkrankungen-vorbeugen/