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Die HIV-Therapie hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert. Aus einer Behandlung mit täglich mehreren Tabletten sind zunehmend individuell anpassbare Therapien geworden. Dazu gehören neben Kombinationstabletten auch langwirksame Injektionen, die je nach Behandlungsschema nur alle ein bis zwei Monate verabreicht werden müssen.

Welche Vorteile diese Behandlungsformen bieten und worauf Patient:innen achten sollten, zeigen aktuelle Studiendaten, die unter anderem auf der internationalen HIV-Fachtagung CROI 2026 vorgestellt wurden.

Ziel jeder antiretroviralen Therapie (ART) ist es, die Vermehrung des HI-Virus dauerhaft zu unterdrücken. Gemessen wird dies anhand der Viruslast, also der Menge an HIV-RNA im Blut. In vielen Studien spricht man von virologischer Suppression, wenn sie unter der Nachweisgrenze von 50 RNA-Kopien/ml liegt.

Neben der täglichen Einnahme von Tabletten steht inzwischen auch eine langwirksame Kombination aus den Wirkstoffen Cabotegravir und Rilpivirin zur Verfügung. Cabotegravir ist unter dem Handelsnamen Vocabria®, Rilpivirin als Rekambys® erhältlich. Beide Wirkstoffe werden als Injektion verabreicht; je nach Behandlungsschema erfolgen die Injektionen monatlich oder alle zwei Monate.
Die beiden Wirkstoffe greifen an unterschiedlichen Stellen in den Vermehrungszyklus des Virus ein: Rilpivirin hemmt die Reverse Transkriptase, Cabotegravir die virale Integrase. Dadurch wird die Virusvermehrung an zwei verschiedenen Stellen unterbrochen.

Die Kombination ist für Menschen mit HIV zugelassen, deren Viruslast unter einer stabilen antiretroviralen Therapie bereits unter 50 Kopien/ml liegt. Voraussetzung ist unter anderem, dass keine relevante Resistenz gegen die Wirkstoffklassen vorliegt und kein entsprechendes virologisches Versagen in der Vorgeschichte bekannt ist.

Eine wichtige Frage ist, wie gut die langwirksame Therapie im Alltag angenommen wird. Hinweise darauf liefert die VOLITION-Studie (2026). Teilnehmende, die zuvor noch keine HIV-Therapie erhalten hatten, starteten zunächst mit einer Tablettentherapie aus Dolutegravir und Lamivudin. Nach erfolgreicher Unterdrückung der Virusvermehrung konnten sie selbst entscheiden, ob sie auf Cabotegravir/Rilpivirin-Injektionen wechseln wollten. Das Interesse war hoch: 85 % derjenigen, die für einen Wechsel infrage kamen, entschieden sich dafür. Nach elf Monaten hielten 88 % der gewechselten Personen die Viruslast weiterhin unter 50 HIV-RNA-Kopien/ml. Die Behandlung wurde insgesamt gut vertragen und die Zufriedenheit mit der Therapie nahm nach dem Wechsel zu.

Für manche Menschen ist eine tägliche Tabletteneinnahme schwierig. Gründe können ein unregelmäßiger Alltag, psychische Belastungen, Stigmatisierung oder andere persönliche Faktoren sein. Für Menschen, denen die regelmäßige Einnahme schwerfällt, sind deshalb die Ergebnisse der LATITUDE-Studie (2026) interessant. Die Teilnehmenden wurden zunächst dabei unterstützt, unter einer oralen Therapie eine Viruslast unter 200 Kopien/ml zu erreichen. Anschließend wurden sie entweder auf eine monatliche Therapie mit Cabotegravir/Rilpivirin umgestellt oder weiter oral behandelt.

Während der Studie trat ein Regimeversagen – definiert als virologisches Versagen oder dauerhafter Therapieabbruch – unter der monatlichen Injektionstherapie seltener auf als unter der oralen Therapie (22,8 gegenüber 41,2 %). Gleichzeitig waren Reaktionen an der Injektionsstelle häufig und traten bei rund 60 % der Teilnehmenden an der Injektionsstelle auf.

Des Weiteren muss bei der Injektionstherapie beachtet werden, dass wenn die Therapie umgestellt wird, der Wirkstoff nicht direkt aus dem Körper verschwindet, sondern die Umstellung auf eine orale Alternative ärztlich geplant werden muss. Aktuell eignet sich die Injektionstherapie nicht für Menschen, die bestimmte Antiepileptika, Antibiotika oder immunsupprimierende Medikamente nehmen. Auch müssen bereits bestehende Resistenzen und Therapieversuche beachtet werden.

Daher gibt es neben den langwirksame Injektionen auch noch andere Therapieoptionen. Auch Zweifachtherapien in Tablettenform können die Virusvermehrung zuverlässig unterdrücken. Ein Beispiel ist Dovato®, eine Kombination aus Dolutegravir und Lamivudin. Dolutegravir hemmt die Integrase, Lamivudin die Reverse Transkriptase.

In den Studien GEMINI I und II (2019/2020) wurde Dolutegravir/Lamivudin bei therapienaiven Patient:innen mit einer Dreifachkombination aus Dolutegravir, Tenofovirdisoproxilfumarat und Emtricitabin verglichen. Die Unterschiede in der Virussuppression waren nicht signifikant, sodass die Zweierkombination der Dreierkombination nicht unterlegen ist.

Die aktuellen Studien machen vor allem deutlich: HIV-Therapie wird zunehmend individueller. Für manche Menschen ist die tägliche Tablette unkompliziert und gut in den Alltag integrierbar. Andere empfinden es als Entlastung, die Wirkstoffe nur alle ein oder zwei Monate injiziert zu bekommen. Wieder andere profitieren von einer gut untersuchten Zweifachtherapie wie Dolutegravir/Lamivudin.

Entscheidend ist deshalb nicht allein, welches Medikament besonders wirksam ist. Ebenso wichtig sind Alltag, persönliche Bedürfnisse, Begleiterkrankungen, mögliche Resistenzen und die bisherige Therapiegeschichte. Bei langwirksamen Injektionen kommt ein weiterer Punkt hinzu: Die vereinbarten Behandlungstermine müssen zuverlässig eingehalten werden. Auch regelmäßige Kontrollen, insbesondere der Viruslast, bleiben wichtig.

Eine Umstellung der HIV-Therapie sollte deshalb immer gemeinsam mit der behandelnden HIV-Schwerpunktpraxis erfolgen. Die passende Therapie ist diejenige, die medizinisch geeignet ist und sich zugleich möglichst gut in das Leben der Patient:innen integrieren lässt.

Quellen:Croi 2026, Neue Daten zu Vocabria® (Cabotegravir), Rekambys®(Rilpivirin) und Dovato® (Dolutegravir); Ausgabe 2 2026, A. Warpakowski, infection &more; Infection & more, Langwirksame ART bei Virämie und Adhärenzproblemen, S. Scholten, Ausgabe 3 2026; HIV & more, Langswirksame ART, 2026; EMA: Fachinformationen zu Rekambys® und Vocabria®; VOLITION Study, Open Forum Infectious Diseases, 2026, DOI: 10.1093/ofid/ofag383; LATITUDE Study, New England Journal of Medicine, 2026, PMID: 41707171; GEMINI-1/-2, Clinical Infectious Diseases, 2020, DOI: 10.1093/cid/ciz1243