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ChroniCare-Newsletter 1. Ausgabe 2022

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Eine HIV-Infektion kann gut behandelt werden – vorausgesetzt die entsprechenden Medikamente werden dauerhaft und ununterbrochen eingenommen. Die Einhaltung der von Patient und Arzt gemeinsam gesetzten Therapieschemata und -ziele wird als Adhärenz bezeichnet. Im Gegensatz zum Begriff der Compliance, welche die Einhaltung der vom Arzt aufgetragenen Therapie beschreibt, wird mit der Adhärenz die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient hervorgehoben.

Zu dem Thema Adhärenz existieren zahlreiche Studien. In einer Studie zu Bluthochdruck wurde beispielsweise festgestellt, dass nur 30% der Patienten die vorgesehene Therapie zu 90% einhielten – unbeabsichtigte Einnahmefehler wurden bei 50 – 90% der Patienten beobachtet. Eine dauerhafte korrekte Einnahme von Medikamenten ist keine Selbstverständlichkeit, insbesondere für chronisch erkrankte Menschen, die durch das Auslassen ihrer Medikation keine unmittelbaren Auswirkungen zu spüren bekommen. So verhält es sich auch bei der antiretroviralen Therapie (ART). Allerdings birgt die Non-Adhärenz bei der ART ein hohes Risiko für die Entwicklung von resistenten Virusmutanten, sowie für die Ausbreitung des HIV im Körper. Resistenzen entstehen, wenn HI-Viren bei nicht ausreichenden Medikamentenspiegeln replizieren. Die Medikamentenkonzentration muss dabei aber auch noch ausreichend sein, um einen Selektionsdruck zu erzeugen. Einige Viren bleiben dann aktiv und könnten mutieren.  Somit kann bereits das Auslassen weniger Dosen unter Umständen zu Virusmutationen führen, die eine Umstellung der Therapie notwendig machen.

Zusätzlich müssen einige HIV-Medikamente zusammen mit etwas Nahrung eingenommen werden oder nicht gleichzeitig mit anderen Arzneimitteln (z.B. Rilpivirin und Pantoprazol) eingenommen werden. Durch die Wechselwirkungen kann die Verfügbarkeit der Wirkstoffe der ART im Körper eingeschränkt werden. Das beutet wiederum, dass sich Resistenzen ausbilden könnten und dadurch ein Wechsel auf andere Wirkstoffe oder sogar andere Wirkstoffklassen erfolgen muss. Eine Resistenz gegen einen bestimmten Wirkstoff, kann nämlich auch eine Resistenz gegen ähnliche Wirkstoffe der gleichen Wirkstoffklasse bedeuten. Somit fallen für die weitere Therapie gleich mehrere Optionen weg. In den letzten Jahren wurden zwar hauptsächlich Wirkstoffe neuer Klassen für die Reservetherapie von HIV zugelassen, durch die außergewöhnlich hohe Mutationsrate des HI-Virus sind resistenzbegünstigende Umstände jedoch weiterhin unbedingt zu vermeiden.



Wenn Unsicherheiten bezüglich Ihrer HIV-Medikation und anderen Arzneimitteln bestehen, kontaktieren Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker um eine Gefährdung der Therapie ausschließen zu können.

Wie bereits betont, ist für die Adhärenz das Mitwirken von Patient und Arzt notwendig. Hierbei hat der Arzt die Aufgabe souverän über die Medikation und die Notwendigkeit der Therapietreue aufzuklären, sowie eine patientenindividuelle Medikation auszuwählen. Zum Beispiel kann die Einnahme von Single-Tablet-Regimen, im Vergleich zu anderen Therapie-Regimen, nachweislich die Adhärenz und damit den Therapieerfolg verbessern. Seitens des Patienten gibt es viele verschiedene Faktoren, die negative Einflüsse auf die Adhärenz haben können. Bekannte Faktoren sind beispielsweise die ethnische Zugehörigkeit, Ausbildung/Beruf (Schichtarbeit, Reisen, Großraumbüros), Familie, Partnerschaft (Konflikte), Drogenabhängigkeit und Alkohol. Bei Vorliegen einer dieser Faktoren, sollte bereits vor Behandlungsbeginn über eine mögliche Lösung gesprochen werden. Auch Apps zur Erinnerung an die Medikamenteneinnahme existieren zahlreich und können bei Schwierigkeiten mit der Adhärenz eine Hilfe sein. Zur Verfügung stehen Erinnerungsfunktionen für Mobiltelefons und Armbanduhren, SMS-Erinnerungsservice und Medikamentenboxen mit Erinnerungsfunktion. Noch bessere Ergebnisse zur Verbesserung der Adhärenz konnte durch intensive Patientenschulung und „Selfmanagement“ erreicht werden.

Quelle: Johannes Bogner, München: „Adhärenz“ HIV-Fortbildung; HIVmore 4/2012
 



 


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